Tonioswelt

 

Animal Crossing: New Horizons


Es ist Sonntag, ich wache auf und gucke auf die Uhr. Es ist 10:36. Ich verlasse das Haus und schaue, was ich heute zutun habe. Ich begrüße meine Nachbarn, betrachte die Natur, überlege mir, was für Möbel ich in mein Haus stellen könnte und freue mich darauf, morgen die Schneiderei zu besuchen. Mir fällt ein, dass man jeden Sonntag am Morgen in Rüben investieren kann. Rüben gibt es auf heute zu einem geringen Preis, 92 das Stück. Ich investiere einen Großteil meines ersparten Geldes in den Rübenmarkt. Mir fällt ein, dass potenziell andere Leute auch von meinen niedrigen Rübenpreisen profitieren können, also lade ich Freunde ein, um bei mir einkaufen zu können.
Es ist 12 Uhr. Die Rübenhändlerin ist weg und ich überlege, was ich nun machen soll. Soll ich fischen gehen, Insekten fangen, oder dem Museum einen Besuch abstatten? Schließlich will ich sehen, wie es dem von mir gespendeten Thunfisch im Aquarium so geht.
Ich schließe mein Spiel und gehe essen, schließlich lässt mich Animal Crossing so spielen, wie ich es will. Zeitdruck nicht mit inbegriffen. 


Mit Animal Crossing: Wild World, habe ich schon in meiner frühen Kindheit viel Zeit verbracht. Meine Grundschulzeit war davon geprägt, mich mit meinen Freunden zu treffen und dabei gelegentlich unseren Dörfern im Spiel einen Besuch abzustatten. Am Anfang meiner Zeit am Gymnasium kam dann Animal Crossing: New Leaf heraus. Wieder habe ich viel Zeit mit diesem Spiel verbracht, wieder habe ich viele schöne Erinnerungen gesammelt. Und nun, fast 7 Jahre später, kurz vor meinem Abitur, ist Animal Crossing: New Horizons erschienen. Die Vorfreude war riesig, und genauso groß ist die Freude am tatsächlichen Spiel. Aber was macht Animal Crossing überhaupt so besonders?

Animal Crossing ist Eskapismus in seiner reinsten Form. Die Prämisse allein: in eine Stadt zu ziehen, frei von Sorgen, oder Konflikten, die Kreativität dabei entfalten und nebenbei auch noch entspannen zu können. Und das ohne unter jeglichem Druck zu stehen, ist was Animal Crossing von anderen Videospielen unterscheidet.
New Horizons verläuft, so wie seine Vorgänger, nach realer Zeit. Das heißt, wenn ich um 20 Uhr am 20. März anfange zu spielen, dann ist es im Spiel ebenso 20 Uhr am 20. März. Das ist insofern relevant, dass das Spiel einem zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten verschiedene Möglichkeiten bietet. Abends haben die Läden geschlossen, ich kann nicht einkaufen gehen, und verkaufen kann ich meine Waren auch schwer. Im Winter schneit es und es gibt andere Insekten zu fangen als im Sommer. Morgens kommentieren meine anthropomorphen Tier Mitbewohner, dass ich für die Uhrzeit viel zu wach und aktiv bin. Mittags werde ich gefragt, ob das Mittagessen geschmeckt hat und Abends wird über die Schönheit des Nachthimmels philosophiert. Die tierischen Mitbewohner sind ein Teil des Charmes von Animal Crossing, der nicht zu unterschätzen ist.















Aber das Spiel besteht nicht nur daraus mit seinen Figuren zu sozialisieren, denn irgendwo sonst sollte man auch aktiv werden, sonst würde es schnell langweilig werden. Daher bietet New Horizons einem große Freiheit darin, wie man seine Insel denn gestaltet. Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Reihe, startet man in New Horizons auf einer einsamen Insel und ist von Tag eins an daran beteiligt, sein Dorf auszubauen, anstatt in ein bereits etabliertes Dorf zu ziehen. Nun steht es dem Spieler frei zu entscheiden, wo die anderen Bewohner hinziehen, wo man seine Geschäfte platziert und das wichtigste daran: Es liegt an einem selbst, überhaupt erst dafür zu sorgen, dass mehr Bewohner einziehen, dass Geschäfte Interesse haben auf die Insel zu expandieren und dabei der Insel ein ästhetisches Gesamtbild zu verleihen, welches einem selbst, seinen Bewohnern und Freunden gefällt.















Um das Inselleben versatiler zu gestalten, geht man in regelmäßigen Abständen fischen, Insekten jagen, oder Früchte pflücken, insofern man das denn will. Aber früher oder später führt nichts daran dabei, außer man ist glücklich damit für immer in einem Zelt zu leben. Geld spielt in Animal Crossing nämlich eine wichtige Rolle. Du hättest gerne ein Haus? Dafür musst du zwar einen (zinsfreien) Kredit aufnehmen, aber du hast immerhin mehr Platz! Die Auswahl im örtlichen Laden ist zu klein? Investiere tagtäglich in die Auswahl des Geschäfts, bis das Geschäft in eine Erweiterung des Angebots investiert! Du hättest gerne eine Schreinerei, um deinem Avatar passende Kleidung zu besorgen? Kaufe regelmäßig bei der reisenden Händlerin ein, bis sie sich auf der Insel standhaft machen will. Auch das Bauen von Brücken, um das Überqueren von Flüssen einfacher zu machen, kostet ordentlich Geld. Also wenn man gerade mal nicht seine Insel dekoriert, oder mit Bewohnern sozialisiert, wird vermutlich Geld verdient. Und das macht sogar Spaß! 

Der gesamte Spielfluss fügt sich in ein wundervolles Gesamtbild zusammen. Zu sehen, wie meine Insel wächst, gibt mir das Gefühl von Zugehörigkeit. Jedes Haus, jede Parkbank und jede Straßenlaterne, ist mit einer Erinnerung verknüpft, die meine Insel zu ganz allein meiner macht. Die, wie in der Serie typisch, stündlich wechselnde Hintergrundmusik sorgt für Abwechslung und eine schöne Atmosphäre. Meine Nachbarn darüber reden zu hören, wie praktisch die von mir platzierte Brücke doch ist, macht seine Insel zu einem belebten Ort. Mit Freunden aus dem normalen Leben meine Errungenschaften zu teilen, sich gegenseitig auf den Inseln zu besuchen und Gegenstände auszutauschen, erinnert mich an die Zeit in der Grundschule. Es ist so als wäre ich in einer vergangenen Welt. Purer Eskapismus. Genau das, was ich gerade brauche.


Beitrag vom 29. März 2020